Tag 18: mit dem Mietwagen über die Insel

Dienstag 26. Juli – mit dem Mietwagen über die Insel

Wie jeden morgen in den letzten Tagen wurde ich wieder von der Sonne geweckt, die mit ihren ersten Strahlen genau auf unser Bett scheint. Und wie jeden Morgen besteht meine erste Handlung wieder darin, dem Sonnenaufgang im indischen Ozean entgegen zu schwimmen. Man kann den Tag kaum schöner beginnen, denke ich.

Der Tag wurde noch schöner, denn endlich war auch unser “Mietwagen” da, und wir haben den Wagen offiziell nach dem Frühstück um 9.30 h übernommen. Ein sehr betagter Suzuki Vitara 4×4, der mit 185.000 km seine besten Tage schon lange hinter sich hatte und so verschrammt und verbeult war, dass wir uns um neue Dellen keine Sorgen machen mussten.

Stephan hat denn auch gleich mal beim Rückwartssetzen einen großen Blumenkübel angefahren, aber alles ist heil geblieben.

Das Auto hatte sogar Automatik und so haben wir uns aus dem Hoteltor in den Linksverkehr gestürzt. Schon bei der Ausfahrt aus Jambiani waren wir froh über unseren Geländewagen, denn hier sind die Straßen noch völlig unbefestigt.

Ansonsten hatte ich bei der Urlaubsplanung schon viel Negatives über das Selbstfahren auf Sansibar gelesen: die schlechten Straßenverhältnisse, die zahlreichen und oft teuren Polizeikontrollen, die Gefahr von Überfällen. Ich kann nur sagen, dass wir nichts davon bestätigen können. Bis auf ein Teilstück im Norden waren die Straßen auf denen wir gefahren sind größtenteils sogar besser als bei uns. Polizeikontrollen gibt es einige an festen Punkten- meist an der Polizeistation- aber es werden nicht nur Touristen angehalten und nach Prüfung der Papiere (deutscher Führerschein und Fahrerlaubnis für Sansibar) durften wir auch immer umgehend weiter fahren.

Unser erstes Ziel war “The Rock”, das bekannte Restaurant welches auf einem kleinen Felsen im Meer gebaut ist und nur bei Ebbe zu Fuß, ansonsten nur per Boot zu erreichen ist. Das Restaurant liegt in einer wirklich schönen Bucht und bietet gerade bei Flut ein wirklich schönes Fotomotiv.

Unser zweites Ziel war der Jozani Forest mit seiner endemischen Affenart, den Roten Colubos Affen, die uns zusammen mit ihren Artgenossen, den Blue monkeys schon gleich auf dem Parkplatz des Nature Centers begrüßt haben, so dass wir nach einer halben Stunde schon so viele Affen gesehen hatten, dass wir auf die ebenfalls nur halbstündige Führung zum Preis von 10€ pro Person verzichtet haben und stattdessen 5€ gespendet haben.

Leider sind alle Bewohner dieses Waldes, zu denen auch diverse Duiker, kleine rehartige Geschöpfe und der äußert seltene hier lebende Leopard stark vom Aussterben bedroht, da ihr Lebensraum auch dem Überleben  der Bevölkerung und auch der zunehmenden Zahl an Touristen dient:

  • Wasser ist ein knappes Gut auf Sansibar und jeder Tourist verbraucht pro Tag durchschnittlich 180 Liter Wasser, wohingegen ein Bewohner der Insel nur ca. 40 Liter verbraucht
  • allein in Stonetown verbrauchen die 39 ansässigen Bäckereien pro Tag 30-40 Tonnen Feuerholz um 300.000 Brote in ihren Holzbacköfen  zu backen
  •  jeder Haushalt hier kocht auf Holzfeuern

Nun stand nur noch allgemein Landschaft und Leute gucken auf dem Programm und unser Weg hat uns durch die Mitte der Insel bis hoch in den Norden nach Mkokotoni geführt.

Zunächst ging es durch Wald und Palmen, gefolgt von Bananenplantagen und Feldern auf denen Ackerbau betrieben wird und Wiesen auf denen die klassischen afrikanischen Rinder mit dem Buckel auf dem Rücken weiden.

An einer dieser Wiesen haben wir für eine kurze Pause angehalten und sofort wurden wir von zwei Männern, die auf dem Roller vorbei fuhren gefragt , ob wir ein Problem haben und Hilfe benötigen. Sie haben sogar extra noch mal umgedreht. Unser Auto sah zwar so aus, als bräuchten wir Hilfe, aber wir konnten den beiden glaubhaft versichern, dass alles ok ist.

Sie haben uns gebeten, unseren Freunden zu erzählen, wie freundlich die Menschen auf Sansibar sind und dass alle einem helfen, wenn es ein Problem gibt. Das tun wir hiermit !

In Mkotoni haben wir unser Auto abgestellt und sind die paar Schritte zum Wasser runter, um uns diegroßen Fischerboote anzusehen, die jetzt bei Ebbe überall auf dem Trockenen lagen. Zumindest sind sie groß  im Gegensatz zu den Dhows, die vor unserem Hotel ankern oder liegen und mit denen die Fischer dort raus fahren.

Wir haben uns zum einen über den Strom hunderter Krabben in verschiedenen Größen gewundert, die vor uns in ihren Löchern verschwanden oder sich schnell eingebuddelt haben wie auch über den unablässigen Strom von Menschen, die mit Sack und Pack in kleine Boote eingestiegen sind.

Hassan, ein ortsansässiger Fischer, neben dessen Boot wir zufällig standen, hat uns erklärt, dass diese Boote zum ” Mainland” fahren. Wir dachten, damit meint er die vorgelagerte Inseln, aber nein, er erklärte uns, dass wir uns doch gerade auf einer Insel befänden und die Boote zum Festland gehen, nach Tanger oder Dar es Sallam.

Auf meine entsetze Rückfrage, ob wirklich diese Boote übersetzten, meinte er grinsend ” klar, dass ist doch nicht weit, nur 3,5-4 Stunden, je nach Wind und Wetter”. Die Boote waren so groß und voll wie die kleinen Flüchtlingsboote mit denen die Menschen versuchen, dass Mittelmeer zu durchqueren! Unglaublich! Er war auch auf dem Weg zu einem dieser Boote, da er auf dem Festland Holz und Kohl kaufen wollte und er ging davon aus, am nächsten Morgen früh wieder zurück zu sein. Er hat uns herzlich eingeladen mitzufahren, aber das würde ich mich im Leben nicht trauen!

Wir haben uns dann aber getraut, in dem einzigen Gebäude, dass nach Restaurant aussah etwas zu Essen zu bestellen.Danke der freundlichen Hilfe eines anderen Gastes haben wir nicht nur den bestellten “Wali”, Reis bekommen, sondern auch noch Bohnen dazu und einen kleinen gebratenen Fisch in einer Essigsosse. Das Essen war leckerer als gedacht, besonders der Fisch und mit 1€ für zwei Portionen auch mehr als günstig.

Frisch gestärkt ging es dann in Richtung Matemwe, wo wir Andre und Krissy besuchen wollten. Nachem wir mitten in den Häusern, die im gleichen Stil gebaut sind wie in Jambiani, auf wieder unbefestigten Wegen feststeckten und ich schon wieder nervös wurde und Stephan aufpassen musste, kein Huhn, Kind oder alte Frau zu überfahren, haben wir nach zwei mal fragen doch das “Panga Chumwi Beach Resort” gefunden und auch sehr schnell Krissy und Andre, die die einzigen Gäste in der Anlage waren !

Es war wohl noch eine andere Familie dort, die aber nur Abends zum Essen zu sehen waren. Überhaupt scheint es in dieser Ecke noch ruhiger zu sein und wir mussten noch mal herzlich über Krissys Ausspruch “wo sollen wir denn hier hin?” lachen, der spontan kam, als ich meinte, falls sie noch mal raus wollen soll sie mein Ipad, welches ich am Lake Natron vergessen hatte, an der Rezeption hinterlegen…..

Wir haben noch mal schön 2 Stunden geklönt und dann haben wir uns um 18 Uhr wieder auf den Weg Richtung Süden gemacht. Leider wird es ja schon um 19 Uhr dunkel, so dass wir den Großteil der Strecke im Dunkeln fahren mussten. Das ist schon eine Herausforderung, wenn außer der plötzlich zahlreichen Autos auch noch Menschen, Scooter, unbeleuchtete Radfahrer, Kühe und Ziegen auf der Straße sind…so haben wir zurück doch 2,5 Stunden gebraucht….