Die Entscheidung für einen Hersteller

Irgendwann legten wir uns fest: Es soll ein Mercedes werden. Wie sind wir dazu gekommen ?

  • Sieht schick aus – das Auge fährt ja bekanntlich mit
  • Mercedes hat ein weltweit verfügbares Ersatzteil- und Werkstätten Netzwerk
  • Zahlreiche Motoren aus den für uns interessanten Baujahren waren / sind beim Militär, in Booten und als Generatoren weltweit im Einsatz
  • Es handelt sich noch um rein mechanische Motoren ohne viel Elektronik-Klimbim
  • Steyr schied leider schnell aus weil, obwohl die richtig cool aussehen – die Ersatzteilpreise ca. 3x höher sind als die von MAN und Mercedes
  • Selbst in den entferntesten Ländern ist die Chance groß das ein Mechaniker schon mal einen Mercedes-Motor gesehen hat. Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit höher ein als das der schon mal einen MAN oder Magirus gesehen hat, geschweige denn einen österreichischen Steyr.

Welche Motorvariante darf es denn sein?

Mercedes also. Nun stellt sich die Frage nach dem Motor. Welcher hat noch keinerlei Elektronik – oder zumindest sehr wenig. Maximal können wir mit ABS und/oder Servolenkung leben. Wenn davon irgendwas ausfällt können wir immer noch weiterfahren. Die nächste Entscheidung die wir treffen mussten war: Turbo- oder Saugdiesel. Um es vorweg zu nehmen – die Entscheidung fiel auf einen Turbo-geladenen Dieselmotor der im besten Falle noch einen Ladeluft-Kühler mitbringt. Warum? Saugdiesel-Motoren verlieren ab einer Höhe von ca. 2.300m über N.N. derart krass an Leistung weil dort die Luft zu dünn wird und damit das Mischungsverhältnis in der Brennkammer nicht mehr passt. Nicht nur das es dann in den unteren Drehzahlen an Vortrieb mangelt und man daher knapp vor der Drehzahlbegrenzung fahren muss (was für einen Motor ja auch nicht so nett ist), auch raucht so ein Saugmotor in den Höhen dadurch dann schon mal extrem stark. Nun muss natürlich die Frage kommen: “Wollt ihr denn damit unbedingt in solche Höhen fahren?” Tja, das wissen wir nicht. Wer weiss heute schon wo unser Weg uns irgendwann mal hinführen wird? Aber hier gilt “Haben ist besser als Brauchen” – wenn wir schon ein Fahrzeug selbst bauen dann wollen wir uns gerne alle Möglichkeiten offenhalten. 

Es wär doch zu blöd wenn man irgendwo nicht hinkommt nur weil das Auto das nicht (gut) kann. Genau aus dem gleichen Grund haben wir uns ja auch für ein Allrad-Fahrgestell entschieden. Nicht weil wir wie die Besengten durchs Unterholz braten wollen sondern weil es eventuell von Vorteil sein kann wenn wir uns in Gegenden bewegen in denen es halt keine Asphaltstraßen, aber dafür Schlaglöcher in denen man einen Smart versenken könnte gibt. Und unsere Erfahrung hat uns gezeigt das man nie weiss wie die unbefestigte Straße nach der nächsten Kurve aussieht. Dafür muss man nicht unbedingt nach Afrika oder in Richtung Osten. Das erlebt man schon auf Korsika wenn man in die Berge fährt um “Lost-Places” zu fotografieren 😉 

Die Suche wird also schon mal näher spezifiziert: Allrad, Turbo und gebaut im letzten Jahrtausend. Die Suchtreffer werden schon geringer.

Radstand?

Als nächstes lernen wir das die Größe der Kabine die wir da drauf bauen können vom Radstand des Fahrwerkes abhängt. Wir denken so grob an 5m Kabinenlänge und damit brauchen wir einen Radstand von 3,60m. Noch ein Auswahlkriterium mehr. Wieder werden die Suchtreffer geringer.

Motorauswahl

Zur Frage kommen für uns eigentlich nur noch 2 Motoren von Mercedes: der OM356 und der OM366(LA). Weiter geforscht finden wir heraus das der OM356 weltweit in Generatoren, Schiffen, Lastwagen und in sehr großer Zahl beim Militär genutzt wurde und damit eines unserer Entscheidungskriterien für Mercedes (s. oben) erfüllt. Der OM366(LA) ist das Nachfolgemodell des OM356 und (angeblich) auch noch sehr gut für unseren Einsatzzweck zu verwenden. Der OM356-Motor wurde vornehmlich als LKW in der Modellreihe MB1017 verbaut. Der 1017 ist nebenbei auch das am meisten zum Expeditionsmobil umgebaute Fahrzeug. Aha. Der Motor hat keinerlei Elektronik und ist derart simpel das er auch im tiefsten Busch und von irgendeinem McGyver in der Mongolei repariert werden kann. Davon hat die Bundeswehr und Feuerwehr Tausende Fahrzeuge im Einsatz gehabt und diese nach und nach ausgemustert. Leider sind die sehr sehr begehrt da das Preis-/Leistungsverhältnis wohl sehr gut ist / war. In den letzten Jahren sind jedoch immer weniger auf den Markt gekommen und die Preise dadurch deutlich angestiegen. Die Typenbezeichnung verrät das es sich um einen 10-Tonner mit 170 PS handelt. Nun ist die einschlägige Meinung von allen die den heute fahren das das mit den 170 PS zwar schon irgendwie geht aber jeder sich doch mehr PS wünscht. Man könnte den sogar noch auf 7,5t ab-lasten und mit unseren “alten” Führerscheinen fahren. Irgendwie bekommt man dann wohl eine schöne Kabine auf die 7.5t Zielgewicht – allerdings nur mit großer Mühe und konsequenter Leichtbauweise. Die meisten sind dann im Reisemodus (voll beladen mit mehreren hunderten Litern Wasser, noch mehr hunderten Litern Diesel und sonstigem Gerödel) bei knapp 8 – 9t und somit schon nicht mehr legal unterwegs. Also zählt das Argument des “den kannste ab-lasten” für uns schon nicht mehr.

Für uns steht schon zu diesem Zeitpunkt fest das wir wohl einen LKW-Führerschein brauchen um die 7,5t-Gewichtslimit hinter uns zu lassen. Bei dem geplanten Investitionsvolumen kommt es auf die knapp 2-2.500€ für eine LKW-Ausbildung ja auch nicht mehr an. 

Bleibt noch das Problem das man(n) gern mehr PS hätte. Mehr PS – mehr gut. Die nächste Modellreihe ist der MB1019, also 10 Tonnen mit 190 PS. Den gibt es sogar in einer Ladeluft gekühlten Turbovariante in der er dann knapp 240PS liefert was schon schön wär. Leider haben wir bis heute keinen gefunden der einen entsprechenden Motor verbaut hat. Alle die uns untergekommen sind hatten Motoren aus der 4er Reihe (401, 406). Das sind richtig kräftige LKW-(V6)-Motoren die dafür auch kräftig mehr Sprit brauchen. Mit den knapp 20L auf 100km die unser anvisierter Motor im Schnitt so brauchen soll haben wir uns schon angefreundet – aber mehr Verbrauch sollte es dann besser doch nicht sein.