Finnland und Estland – Helsinki und Tallinn 2011

Susanne, Januar 2019

Helsinki

Helsinki, finnische Hauptstadt und pulsierende Metropole im Süden Finnlands. Es ist schon lange her, dass wir dort waren, aber die Stadt ist in guter Erinnerung geblieben. Stephan hat hier 2011 von April bis Oktober gelebt und gearbeitet, und ich habe ihn da selbstverständlich gerne zwischendurch besucht.

Mit ist vor allem der Dom noch sehr im Gedächtnis. Er ist zu Recht das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Sitzt er doch unmittelbar am Hafen, am Ende eine großen Treppe und überragt die ganze Stadt.

Und an unsere langen Spaziergänge immer am Wasser entlang erinnere ich mich gut. Da Helsinki auf einer Halbinsel liegt, kann man ohne Probleme Spaziergänge von 10 km und mehr unternehmen. Auf der einen Seite die Stadt, auf der anderen Seite der finnische Meerbusen. Da Stephan nach Feierabend, bevor es mit den Kollegen zum Essen ging, jeden Abend die Stadt zu Fuß erkundet hat, hatte ich das Vergnügen eines ganz privaten Stadtführers.

Aber gerade das hat uns beiden auch gefallen, dass man eigentlich alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erkunden kann.

Der Dom

Den muss man nicht extra besuchen, an ihm kommt man gar nicht vorbei. Wenn man per Schiff anreist, läuft man vom Fähranleger direkt darauf zu, und auch sonst ist er eigentlich fast immer im Blickfeld. Innen wie außen ist der Dom relativ schlicht gehalten, was für uns aber gerade seine Eleganz ausmacht. Er beeindruckt nicht durch Fresken, Schnörkel und Blattgold, sondern allein durch seine Präsenz.

 

Dom Helsinki

Der Hafen

Ich war eher im Sommer zu Besuch in der Stadt, also während unseres deutschen Früh-Sommers, im Juni. Da waren Teile des Hafens durchaus noch zugefroren und die Schneeberge vor der Stadt noch nicht getaut. Im Winter wird hier der Schnee auf LKW’s verladen und aus der Stadt gefahren, da in der Stadt kein Platz für die Mengen weißen Pulvers ist.

Die Eisbrecher, die im Hafen liegen, haben nichts mit den Eisbrechern gemeinsam, die vor unserer Haustür auf der Elbe auf den Winter warten. Liebevoll wurden diese kleinen Schiffe bei uns auf Namen wie “Widder”, “Steinbock” und “Bär” getauft. Was in Helsinki im Hafen liegt verdient eher Namen wie “T-Rex” und “Brachiosaurus”. Die Schiffe sahen allesamt aus, also könnten sie ohne Probleme jederzeit zu einer Expedition in die Arktis aufbrechen. Und wer weiß, vielleicht machen Sie das sogar hin und wieder.

Finnische Eisbrecher

Suomenlinna

Diese Helsinki vorgelagerte Seefestung mit ihren jahrhundertealten Geschützen und Verteidigungswällen haben wir natürlich auch besucht. Von Helsinki aus nur eine 15 minütige Fährfahrt entfernt, hat man hier ein schönes Naherholungsgebiet mit Spazierwegen und Restaurants geschaffen. Man kann die Insel gut in ca. 2 Stunden erkunden, sofern man das dortige Museum der Militär- und Schiffahrtsgeschichte auslässt.

Temppeliaukio Kirche

Kirchen hat es einige in Helsinki. Während diese einem normalerweise sofort aufgrund ihrer Größe und prominenten Lage ins Auge fallen, muss man diese schon richtig suchen und dann noch aufpassen, nicht an ihr vorbei zu laufen. Diese moderne Kirche mir einem halbrunden Kupferdach ist von außen kaum als Kirche auszumachen, da sie nicht nach oben empor wächst, sondern nach unten in den Felsen geschlagen ist. Die 8-9 Meter hohen, bzw. tiefen Wände sind aus unbehauenem Fels. Durch diese besondere Architektur und die damit einher gehende tolle Akustik, ist diese einzigartige Kirche besonders für Musik-Veranstaltungen sehr beliebt. Als wir sie besichtigt haben hatten wir Glück, dass zur selben Zeit eine offene Chorprobe stattfand, so dass wir uns live von der schönen Akustik überzeugen konnten.

Innenraum der Temppeliaukio Kirche

Der Marktplatz

Hier ist eigentlich immer was los. Es gibt Fressbuden und Stände, die verschiedene Waren anbieten. Noch heute trage ich den Schal aus schwarzem Kaninchenfell, den ich von einer finnischen Oma gekauft habe. Auch wenn mich viele dafür hassen – das Kaninchen war schon tot….

Auf dem Markt in Helsinki

Uspenski Kathedrale

Sie ist das Gotteshaus der finnisch-othodoxen Diözese Helsinkis und ein fast so beeindruckendes Bauwerk wie der Dom. Geschmäcker sind verschieden und unser Herz schlägt rein von der Optik her für den schneeweißen Dom.

Uspenski Kathedrale

Stadtstrand

Auch wenn die Wassertemperatur auch im Sommer in der Regel unter 20 Grad bleibt, hat die Stadt ein paar schöne Sandstrände. Der wohl bekannteste, der Hietaniemi Strand, war eigentlich nicht als solcher geplant. Eigentlich wurde hier nur Sand abgeladen, der vom Meeresboden zur Landgewinnung hochgeholt wurde, bis dieser dann von den Einheimischen als Strand adaptiert wurde.

Friedhof Hietaniemi

Wir sind nicht morbide, waren aber doch schon auf relativ vielen Friedhöfen in verschiedenen Städten in unterschiedlichen Ländern. Wir finden es spannend wie unterschiedlich sowohl die Form der Beerdigung sowie auch die der Grabpflege sind. Von schlichten Fächern in einer Art Marmorschrank, bis zu kleinen verschnörkelten Kapellen, bunten spitztürmigen Tempeln, Grabplatten mit Bildern vom Verstorbenen und dessen Familie haben wir schon verschiedene letzte Ruhestätten besichtigt. Zudem sind Friedhöfe auch in Großstädten eine Insel der Ruhe und meist landschaftlich sehr schön angelegt. Und was für Frauen nicht ganz unwichtig ist, meist gibt es dort auch eine Toilette 😉

Helsinki Umland

Burg Raseborg

Bei einem meiner Besuche haben wir uns einen Mietwagen genommen und sind ein wenig in das nähere Umland Helsinkis gefahren.

Dabei sind wir auch an dieser Burg vorbei gekommen, die oben auf einem kleinen Felsen sitzt. In der Ruine finden viele mittelalterliche Veranstaltungen statt, so dass auch bei unserem Besuch schon Buden und Bestuhlung aufgebaut waren. Bei schönem Wetter aber ein nettes Ziel, um sich mal die Beine zu vertreten.

Burg Raseborg

Turku

Auf unserem kleinen Rundtrip sind wir bis Turku gekommen. Eine komische Stadt. Am helllichten Tag laufen die jungen Leute dort in Abendgarderobe rum. Sie sitzen in Anzug und Abendkleid am Fluss im Gras und scheinen sich dabei zu betrinken. Das Turku 2011 übrigens neben Tallinn Europas Kulturhauptstadt war, war uns zu dem Zeitpunkt nicht bewusst. Hatte aber auch nichts mit dem merkwürdigen Verhalten der finnischen Jugendlichen zu tun.

Wie wir später beim Bier erfahren haben, sind wir zufällig an dem Tag in die Stadt gekommen, an dem die Studenten ihren Abschluss gefeiert haben.  Das erklärt so einiges !

Überhaupt ist es witzig, dass man in den skandinavischen Ländern häufig in Landessprache angesprochen wird, weil man rein äußerlich eben nicht gleich als Tourist zu erkennen ist. In Finnland ist uns das tatsächlich relativ häufig passiert. Und manchmal hat einen kleinen Moment gedauert bis man gemerkt hat, dass man die Sprache nicht versteht 🙂

Auf unserer kleinen Rundtour hat uns gewundert, dass, obwohl der Sommer hier so kurz ist und das Wetter gut war, einige Aktivitäten nur sehr saisonal angeboten werden. So wollte ich an meinem Geburtstag Anfang Juni so gerne mit dem Schiff in die Schären fahren. Das war aber nicht möglich, das wird nur im Juli angeboten. Nicht im Juni und auch nicht im August. Dasselbe Phänomen war uns schon ein Jahr zuvor in Norwegen aufgefallen.

 

Am Aurajoki

Tallinn

Was uns als Erstes einfällt wenn wir an Tallinn denken, ist unser erster Besuch in einem russischen Restaurant. Anders, viel, lecker, einfach unvergleichlich. Wir waren auf Empfehlung eines Kollegen Stephans im “Troika”. Direkt am Marktplatz gelegen geht es ein paar Stufen in den Keller. Bevor das eigentlich Essen kommt, bekommt man eine Teller mit Frühlingszwiebeln und Salz serviert. Ganze, rohe Frühlingszwiebeln. Der Kellner hat gesehen, dass wir nicht so Recht wissen was wir damit machen sollen, und hat uns gezeigt, wie das Ganze gegessen wird. Die Zwiebeln einfach so wie sie sind in das Salz tunken und dann einfach essen. Hmm, gar nicht mal schlecht.

Das Essen war reichlich, sehr Kohl-lastig, garniert mit jeder Menge roher Silberzwiebeln und roher Knoblauchzehen. Zum Glück wurde auch nicht mit Kümmel im Gericht gegeizt, sonst hätten wir wahrscheinlich zurück nach Helsinki fliegen können, anstatt die Fähre zu nehmen 🙂 Zwischendurch gab es immer mal wieder einen Wodka. Pur, aus ungefähr 2m Höhe aus der vollen Flasche in das Glas gegossen ! Allein für das Spektakel und das Essen hat sich der Tagesausflug nach Tallinn schon gelohnt !

Was uns als Zweites einfällt, sind die Paletten Dosenbier, die man gleich auf einen Rolli geschnallt kaufen kann. Man fällt von der Fähre direkt in den Duty Free Supermarkt und kann theoretisch nach 5 Minuten Einkauf gleich wieder aufs Schiff und zurück nach Finnland fahren. Wer schon mal mit der Fähre vom europäischen Festland nach England und zurück gefahren ist und gesehen hat, was die Engländer alles an Sprit kaufen, kann sich ungefähr vorstellen, was die Finnen im Duty Free raus tragen. Kann man aber auch verstehen bei den Alkoholpreisen. In Finnland kostete ein Bier ca. 7 €, in Tallinn nur etwas mehr als die Hälfte.

Neben Alkohol kann oder konnte man damals auch relativ günstig Bernstein in Tallinn kaufen. In unzähligen kleinen Läden wurde er hier in allen Facetten angeboten. Vom rohen Stein bis zum fertigen Schmuckstück.

Die Fähre von Helsinki nach Tallinn braucht übrigens nur etwas über 2 Stunden und hat für uns beide zusammen hin und zurück irgendwas zwischen 30-40 € gekostet.

Das “Troika” in Tallinn