Auf nach Victoria West

11. Tag

Wir versuchen ja unsere Toilette nicht zu benutzen. Fällt auch nicht so schwer, weil die Campingplatz Toiletten nie sehr weit weg sind und der Nachthimmel auf jeden Fall fürs aufstehen entschädigt. Bin mittlerweile schon echt gespannt auf den Himmel in der Wüste!

Ich habe schon in aller Herrgottsfrühe Wäsche im Eimer mit der Hand gewaschen! Ich wollte bei Jurie und Lisa nicht fragen, obwohl das gar kein Problem gewesen wäre, aber die beiden haben so schon mehr als genug für uns getan. Jetzt steht die Dusche nicht nur voll Wasser (in 5L Kanistern) sondern hängt auch voll Wäsche.

Es war heute morgen tatsächlich bewölkt und echt kalt, also wurde drinnen gefrühstückt. Ein Vervet Monkey hat sich den Knochen unseres Koteletts aus unserer Mülltüte geholt und macht auf dem Baum vor unserem Camper auch erst mal Frühstück.

Pünktlich um 9 Uhr kommt der Fischer mit seinem Kombi mit einer Gefriertruhe hinten drin. Zu meinem Erstaunen hat Stephan ihm wohl gestern suggeriert, dass wir was von seiner Ware kaufen. Schnell ist die Tupperdose voller Garnelen, ein ganzer, ausgenommener Crayfish liegt vor uns und dazu noch zwei marinierte Filet desselben. Nur soll das Ganze, selbst mit dem großzügigen Kurs gerechnet 52€ sprich 780 Rand kosten! Am Ende tun wir die Garnelen zurück und geben ihm 200 Rand, 13€ plus noch ein bisschen Kleingeld in € und ich ihm noch einem 5€ Schein. Den Wert des Scheines kennen der Fischer und seine 2 Gehilfen nicht, so dass das quasi das Wegegeld von uns ist.

Etwas durchgefroren starten wir um 9.30h mit voll aufgedrehter Lüftung. Auf dem Weg wollen wir noch einen Abstecher in den Camdeboo Nationalpark machen. Unser Reiseführer empfiehlt, auf jeden Fall die “Desolation Road”, die Straße der Trostlosigkeit lang zu fahren, die wunderbare Ausblicke ins gleichnamige Tal und auf die Stadt bietet. Die Einfahrt in den Park ist nicht weit weg vom Campingplatz und dementsprechend ist es immer noch bewölkt als wir dort ankommen. Deshalb rät uns der nette Mann am Tor noch mal umzudrehen, die Hauptstraße noch 3 km runter zu fahren und erst die ca. 10 km lange Runde durch die Game Viewing Area, dem Gebiet mit Wildtieren zu machen. Klar machen wir das!

Der Start durch niedriges Buschwerk war etwas schwierig, da wir immer nur Gebüsch am Auto entlang schrammen gehört haben….aber nichts passiert. Klar ist aber nochmal, dass der Floh keine aufwendige Lackierung braucht 🙂 Die Runde hat sich auf jeden Fall gelohnt und wir haben viel gesehen: Steenbok, Springbok, Wildebeest, Mountain Zebra, Vervet Monkey, Ostrich, Tortoise, Blesbok und 6 Giraffen hinter dem Zaun, sicher auf dem Gelände eines private Game Reserves :-).

2 Stunden später waren wir wieder am Eingang zum Tal und der Himmel wieder wolkenlos! Die Straße war wirklich toll und die Landschaft alles andere als trostlos in unseren Augen. Auf halber Strecke hatte mal einen tollen Blick auf die Stadt und am Ende auf die Felsenschlucht. Auf einer Picknick Plattform haben wir dann Mittag gemacht, bevor es wieder runter und weiter Richtung Afrika Burn ging.

Mittlerweile 14 Uhr wollten wir nur noch bis Victoria West, wo wir auch so um 16h waren. Einmal durch den Ort gefahren, viele B&B’s aber kein Campingplatz. Dank TomTom haben wir ihn dann gefunden, aber niemand da, Waschräume abgeschlossen und außer uns auch keine anderen Gäste. Aber wir sind in Afrika und der ganze Ort weiß ja nach unserer Durchfahrt mittlerweile dass wir da sind und so dauert es nicht lange, bis jemand kommt.

In diesem Fall der nette Police Officer, der meinte, dass dieser Campingplatz geschlossen sei und “the safest place for us”, also der sicherste Platz für uns wäre der Paradise Campingplatz etwas außerhalb der Stadt. Dafür sollen wir bei dem Besitzer zwei Straßen weiter klingeln und der hilft dann weiter. Gesagt, getan, alles ganz unkompliziert. Er hat uns beschrieben wo wir hin müssen, da stehen schon 3 Camper und er kommt so in einer halben Stunde nach. Wir haben die grüne Oase in all dem grau-grün und beige auch gleich gefunden. Von Bäumen gesäumte Zufahrt vorbei an einem Schafsgatter auf der einen Seite und einer Kuhwiese auf der anderen Seite. Dann satter grüner Rasen vor dem Duschhaus auf dem die anderen 3 Camper schon im Kreis stehen. Wir werden auch gleich eingeladen, die Wagenburg zu schließen und uns mit an den Stromanschluss zu hängen und die Feuerstelle zu nutzen, um unseren Fisch zu grillen. Begrüßt werden wir nicht nur von den Campern, sondern auch von einem kleinen Lamm, welches lustig um uns rum springt! Wer hat das schon mal gesehen? Besonders von Stephan ist es sehr angetan. Liegt fas an dem orangen Shirt? Dann kommt noch ein kleiner Welpe angetollt, bald danach ein super cooler Kater, der hier glaube ich Chef der kleinem Farm ist. Dann gibt es noch einen Ententeich, Pfauen, Emus und noch viele andere Katzen in jeder Form und Farbe, die aber leider etwas scheu sind.

Ich war ja etwas skeptisch was den Fisch angeht. Man weiß ja nie wie alt der ist, vor allem weil Victoria West mitten im nirgendwo liegt, aber meine Skepsis war unbegründet, denn auch wenn ich immer noch nicht weiß, wie alt er war, war der Fisch lecker.

Etwas skurril war das Abendprogramm. Nach dem üblichen Austausch von wo kommt ihr her, wo wollt ihr hin, was habt ihr schon gesehen und seid Ihr das erste Mal hier, mussten wir uns diverse YouTube Videos ansehen. Einer der Männer von den 3 Rentner Pärchen stellt für seine Nachbarn immer 2 Stunden Shows zusammen, in denen er mehr oder weniger YouTube Videos zusammenstellt, die immer einem Thema folgen und oft mit Musik zu tun haben: deutsche Volksmusik (und damit eher bayrische), Musik aus Russland und Nordkorea oder Videos von Leuten, die Mountainbike den Hang runter fahren oder was auch immer! Für 10 Minuten mal ganz nett, aber als klar war, dass das die einzige Unterhaltung des Abends bleibt, haben wir uns vornehm zurückgezogen. Ich bin heute tatsächlich kurz im Sitzen eingeschlafen – um 20 Uhr ! Naja, heute haben wir uns ja auch etwas bewegt….

"Doogie" und das Desolation Valley